Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die mit tonalen Funktionen verknüpfte Harmonik aus der klassisch-romantischen Epoche bei den Komponist(-inn)en zusehends weniger beliebt. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts sind jedoch wieder verstärkt neutonale bzw. neoromantische Tendenzen feststellbar. Generell kann gesagt werden, dass die Harmonik als kompositorisches Grundmaterial teilweise wieder sehr beliebt ist, wiewohl sie sowohl anders gestaltet ist als oftmals auch in einem, nach funktionstheoretischen Betrachtungsweisen, fremden Kontext auftritt. Dies bedeutet, dass der unmittelbare Zusammenhang mit vorherigen Epochen nur wenig gegeben ist. 

In den Spätwerken Tōru Takemitsus hat die Harmonik als kompositorisches Grundmaterial eine äußerst gewichtige Rolle, tonale Suggestionen im harmonischen Verlauf treten häufig auf. Die auf Harmonien basierende formale Gliederung erinnert sogar an die musikalische Struktur in vielen klassischen und romantischen Werken. Das gegenwärtige Konzertrepertoire besteht zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Musik der Klassik und Romantik. Dies deutet darauf hin, dass unsere Hörgewohnheit mehrheitlich in einem tonalen Kontext stattfindet. Die Spätwerke Takemitsus haben eine vertraute Wirkung, weil das harmonische Idiom in einem schwachen, aber trotzdem wahrnehmbaren, tonalem Zusammenhang steht. Seine Werke bewegen sich also in einem ähnlichen ästhetischen Umfeld wie, im historischen Sinne, ein Großteil der westlichen Kunstmusik. Es existiert also eine Verwandtschaft im verwendeten Material.